
im Familienurlaub
2 Hunde, Katze und diverses Kleingetier halten die Stellung daheim.
Ich schätze mich außerdem glücklich mit guten Freunden und allen Verwandten.
Mein Wunsch: ein Mäzen

|
Gott ist ein Bär
Teddy: Erste und letzte Liebe
Die erste Liebe. Seit eh und je und
bestimmt auch immer dar hält das Baby einen Teddy im Arm, der es hilfreich
begleitet auf dem nicht einfachen Weg ins Leben. Die letzte Liebe: Gar nicht
so selten liegt der Teddy im Sarg. Fährt mit hinüber ins Namenlose, ein
Stück Leben, dem der Tod nichts anhaben kann. Das sind die Normalfälle, über
die niemand sich wundert - weil das Kind halt ein Kind ist und die alten
wieder Kinder werden. Interessant ist, was dazwischen liegt, der Teddy als
Lebensgefährte von Anfang bis zum Ende.
"Das beliebteste Plüschtier" als welches die Reportage von Magdalena Kauz
den Teddy bezeichnete, ist natürlich überhaupt kein Ausdruck für den
braunen, weißen, roten, blauen Gesellen. Plüsch ist sei Material, aber Seele
ist sein Inhalt. Das Material kam vor, die Fabrik, in der Teddys noch Stoff
noch Haar sind und "zeitgemäß", wenn man sie waschen kann. Ein wenig
ernüchternd war das, aber keineswegs der Grundton der Reportage: Wir sahen
den Teddy nicht als Gegenstand, sondern als Lebewesen. Wir sahen ihn, wie er
ist, gespiegelt in den Augen seiner Besitzer. nur die Beschränkung auf Bären
war schade - als gäbe es nicht auch Nilpferde, Schafe, Kamele von
ausgesprochener Lebendigkeit.
Wenn Freundinnen sich auf dem Flughafen treffen, die beide Teddys als
Freunde haben, dann begrüßen sich mit einem Küsschen auch die Bären - ist
das verschroben? Man muss die Autorin Kauz sehr dafür loben, Menschen und
Tiere so genommen zu haben, wie sie sich gaben: ohne scheinbar vernünftige
Erklärungen, ohne Psycho-Analysen der Marke "fehlgeleiteter
Brutpflegetrieb", ohne hämische Kommentare aus der bärenlosen Welt der
sogenannten Erwachsenen. Sie ließ reden und zeigte: den Teddy als Tröster im
Rettungswagen, als letzten Freund im Heim für Aidskranke, als
Erkennungsmarke für Schwule, als Gesprächspartner und Bettgenossen, als
Figur in einem Roman, dessen Autorin sagt: Gott ist eine Art Teddybär, beide
verkörpern die Illusion, dass immer jemand für dich da ist.
Am Ende aber, nach diesen einfühlsamen und klugen Bärenbilderbogen, kam dann
doch noch die öde Vernunft zu Wort in Gestalt einer Frau, die auf ein
abzusehendes erotisches Abenteuer verzichtet hatte - weil sie im Bett des
Mannes einen Bären fand. Der Mann muss sich gewiß nicht grämen.
MICHAEL KNOPF
|